Die UNESCO zieht erste Konsequenzen aus der Tragödie um die Costa Concordia: Geht es nach der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, dann soll Italien die großen Kreuzfahrtschiffe aus der Lagunenstadt Venedig verbannen. In einem Brief wurde der italienische Umweltminister zu „zügigem Handeln“ aufgerufen, um „alternative Pläne für den Seeverkehr in Venedig zu entwickeln“.
„Der tragische Unfall der Costa Concordia am 13. Jänner verstärkt die Sorge um die Risiken, die große Kreuzfahrtschiffe für Weltkulturerbe-Stätten darstellen, besonders für die Lagune von Venedig und das Becken von San Marco“, schreibt der Direktor des UNESCO-Welterbekomitees, der Italiener Francesco Bandarin, in diesem Brief.
Laut UNESCO wird Venedig jährlich von mehr als 300 Kreuzfahrtschiffen angesteuert. „Dieser Schiffsverkehr ist wegen der instabilen Baustruktur der Stadt besonders schädlich. Die Schiffe lösen Strömungen aus, welche die Gebäudefundamente ausschwemmen. Sie tragen zur Luftverschmutzung bei und zerstören das Stadtbild, weil bedeutende Monumente im Herzen der City plötzlich zwergenhaft erscheinen,“ heißt es in dem UNESCO-Schreiben weiter.
Bereits im Juli vergangenen Jahres hatte die italienische Umweltschutzorganisation „Italia Nostra“ auf die Probleme mit den Kreuzfahrtschiffen in Venedig aufmerksam gemacht. Die Heckwelle der Schiffe greife schon heute die unter Wasser gelegenen Schlammbänke und die Pfeiler der Gebäude an. Nach den Recherchen von „Italia Nostra“ kämen zudem täglich fast doppelt so viele Touristen, wie die Stadt vertrage.
Tatsächlich stieg die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere in Venedig seit 1997 um 439,9 Prozent. Damit rückte die Lagunentstadt im europäischen Ranking der wichtigsten Häfen für Kreuzfahrtschiffe vom zehnten auf den vierten Platz vor. Allein im Jahr 2010 wurden mehr als 1,6 Millionen Gäste von Kreuzfahrtschiffen gezählt – um 13,8 Prozent mehr als noch 2009. „Italia Nostra“ forderte daher, den Massentourismus einzudämmen und den Fokus auf reiche Individualtouristen zu legen. Die Bedrohung für die Lagunenstadt sei sogar so hoch, dass die UNESCO Venedig von der Liste des Welterbes streichen sollte, meinten die Umweltschützer.
Auch Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni hatte erst im Dezember wieder einmal erklärt, dass er der „Invasion“ der Kreuzfahrtschiffe nicht mehr länger zusehen wolle und gemeinsam mit der Hafenbehörde nach einer Lösung suche, damit die Schiffe nicht zu nahe an die Lagunenstadt gelangen. Jedes Schiff verursache so viel Umweltverschmutzung wie 14.000 Autos, protestierte der Bürgermeister und wies gleichzeitig darauf hin, dass der Kreuzfahrttourismus der Stadt keine nennenswerten Einnahmen beschere, da die Passagiere nicht in Venedig übernachten, sondern nur wenige Stunden hier verbringen.







